Schlaf-Glossar: REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Kurzdefinition: Was ist REM-Schlaf-Verhaltensstörung?
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RSBV) ist eine Schlafparsomnie, bei der die normale Muskelatonie (Lähmung) während des REM-Schlafs fehlt oder reduziert ist. Betroffene agieren ihre Träume körperlich aus, was zu komplexen und oft gewalttätigen Bewegungen, Schreien oder Schlagen führen kann. Diese Störung kann ein Frühsymptom für bestimmte neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson sein.
3 Takeaways für dich: REM-Schlaf-Verhaltensstörung
- Muskellähmung fehlt: Betroffene agieren ihre Träume körperlich aus (Schlagen, Schreien).
- Hohes Risiko: Kann ein Frühsymptom für neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson sein.
- Diagnose/Therapie: Diagnose per Polysomnographie (Schlaflabor), Behandlung oft mit Clonazepam.
1. Von der Traumhandlung zur Diagnose: Was bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung im Gehirn passiert
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RSBV) ist eine Parasomnie, die durch das Fehlen der normalen Muskelatonie (Muskellähmung) während des REM-Schlafs gekennzeichnet ist. Normalerweise ist die Skelettmuskulatur im REM-Schlaf, der Phase, in der die intensivsten Träume auftreten, vollständig gelähmt. Bei RSBV-Patienten ist dieser Schutzmechanismus gestört, was dazu führt, dass sie ihre oft lebhaften und emotional geladenen Träume physisch ausagieren. Dies äußert sich in Schreien, Schlagen, Treten oder sogar Aufspringen aus dem Bett.
Die Ursache für diese Störung liegt in einer Fehlfunktion der Hirnstammstrukturen, die für die Initiierung der REM-Atonie verantwortlich sind. Insbesondere wird die Verbindung zwischen der REM-Schlaf-generierenden Region und den motorischen Neuronen im Rückenmark unterbrochen. Klinisch ist die RSBV von großer Bedeutung, da sie in vielen Fällen (80–90 %) ein frühes Prädiktionszeichen für eine spätere Entwicklung von Alpha-Synucleinopathien ist, zu denen die Parkinson-Krankheit, die Lewy-Körper-Demenz und die Multisystematrophie gehören. Die Diagnose erfolgt im Schlaflabor mittels Polysomnographie, welche das gleichzeitige Auftreten von REM-Schlaf und erhöhter Muskelaktivität (EMG) nachweist.
2. Therapeutische Ansätze und Sicherheitsmaßnahmen: Umgang mit der RSBV
Die Behandlung der REM-Schlaf-Verhaltensstörung verfolgt zwei Hauptziele: die Reduktion des Ausagierens der Träume und die Gewährleistung der Sicherheit des Patienten und des Bettpartners. Die primäre medikamentöse Therapie ist oft das Benzodiazepin Clonazepam, das bei den meisten Patienten eine schnelle und deutliche Besserung der Symptome bewirkt. Es unterdrückt die motorischen Ausbrüche und stellt die Schlafqualität wieder her. Alternativ oder ergänzend werden oft Melatonin-Präparate eingesetzt, insbesondere bei leichteren Fällen oder wenn Clonazepam nicht vertragen wird.
Ebenso wichtig sind nicht-medikamentöse Sicherheitsmaßnahmen. Da die Träume oft gewalttätig sind und die Patienten unkontrolliert um sich schlagen oder treten, muss das Schlafzimmer so eingerichtet werden, dass Verletzungen verhindert werden. Dazu gehört das Entfernen scharfer Gegenstände vom Nachttisch, das Anbringen von Polstern an Bettkanten und in schweren Fällen die Verwendung eines Schlafsacks oder das Schlafen in Bodennähe. Diese Sicherheitsvorkehrungen sind essenziell, da die Patienten während dieser Episoden nicht wach sind und sich am nächsten Morgen meist nicht an die Ereignisse erinnern können.
