Schlaf-Glossar: ADHS und Schlaf
Kurzdefinition: Was ist ADHS und Schlaf?
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist eng mit Schlafstörungen verbunden, da viele Betroffene Probleme beim Einschlafen, Durchschlafen oder mit unruhigem Schlaf haben. Dies liegt oft an einer dysregulierten zirkadianen Rhythmik, insbesondere einer verzögerten Melatonin-Ausschüttung. Die daraus resultierende chronische Müdigkeit kann die typischen ADHS-Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten und Hyperaktivität im Tagesverlauf verstärken.
3 Takeaways für dich: ADHS und Schlaf
- Häufig verbunden mit verzögerter Melatonin-Ausschüttung.
- Spezifische Störungen: DSPS, Insomnie und RLS sind häufig.
- Strikte Schlafhygiene und ärztliche Abstimmung bei Medikation sind wichtig.
Die gestörte Schlaf-Wach-Regulation bei ADHS: DSPS und Melatonin
Ein zentrales Problem in der Verbindung zwischen ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) und Schlaf ist eine Dysregulation des zirkadianen Rhythmus, oft manifestiert als Delayed Sleep Phase Syndrome (DSPS). Bei DSPS ist die innere biologische Uhr des Körpers dauerhaft nach hinten verschoben. Dies bedeutet, dass die Melatonin-Ausschüttung, das Hormon, das den Körper auf den Schlaf vorbereitet, bei ADHS-Betroffenen oft Stunden später einsetzt als bei neurotypischen Menschen. Statt um 22:00 Uhr müde zu werden, fühlen sie sich erst weit nach Mitternacht schläfrig. Diese Verzögerung führt zu chronischem Schlafmangel, da die Schule oder Arbeit am nächsten Morgen dennoch pünktlich beginnt. Die resultierende Müdigkeit am Tage verstärkt wiederum die Kernsymptome von ADHS, wie Konzentrationsschwierigkeiten, Impulsivität und Hyperaktivität, was einen Teufelskreis darstellt. Therapeutisch kann die gezielte Einnahme von Melatonin, in Absprache mit einem Arzt, helfen, diesen verzögerten Rhythmus zu korrigieren und die Einschlafzeit zu normalisieren.
Der Einfluss von Stimulanzien und Komorbiditäten auf die Schlafqualität
Die Behandlung von ADHS erfolgt häufig mit Stimulanzien, die zwar tagsüber die Konzentration verbessern, jedoch erhebliche Auswirkungen auf den Nachtschlaf haben können. Stimulierende Medikamente wie Methylphenidat oder Amphetamine erhöhen die Wachheit und können, insbesondere wenn sie zu spät am Tag eingenommen werden, das Einschlafen massiv verzögern und die Gesamtschlafdauer verkürzen. Darüber hinaus ist ADHS oft mit weiteren Schlafstörungen verknüpft, die den Schlaf zusätzlich fragmentieren. Das Restless-Legs-Syndrom (RLS), das durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang in den Beinen gekennzeichnet ist, tritt bei ADHS überdurchschnittlich häufig auf und kann das Einschlafen sowie den ruhigen Durchschlaf verhindern. Auch die klassische Insomnie (Ein- und Durchschlafstörungen) ist eine häufige Begleiterscheinung. Daher ist eine sorgfältige Abwägung der Medikation, eine strikte Schlafhygiene (feste Zeiten, kein Bildschirmlicht vor dem Schlafen) und die Behandlung komorbider Schlafstörungen essentiell für die Verbesserung der Lebensqualität von ADHS-Betroffenen.
