Schlaf-Glossar: DSPS (delayed sleep phase syndrome)
Kurzdefinition: Was ist DSPS (Delayed Sleep Phase Syndrome)?
Das Delayed Sleep Phase Syndrome (DSPS), auch bekannt als verzögerte Schlaf-Wach-Phase-Störung, ist eine Störung des zirkadianen Rhythmus. Betroffene haben Schlafzeiten, die im Vergleich zu gesellschaftlichen Normen um zwei Stunden oder mehr verzögert sind. Dies führt dazu, dass sie spät einschlafen und entsprechend spät aufwachen, was oft zu Schwierigkeiten beim Einhalten von Arbeits- oder Schulzeiten führt.
3 Takeaways für dich: DSPS (Delayed Sleep Phase Syndrome)
- DSPS ist eine diagnostizierbare Störung des zirkadianen Rhythmus mit mindestens zwei Stunden verzögerten Schlafenszeiten.
- Betroffene können nicht zur normalen Zeit einschlafen oder aufwachen, aber die Gesamtschlafdauer ist oft normal.
- Behandlung erfolgt durch Chronotherapie, Lichttherapie am Morgen und zeitlich abgestimmtes Melatonin am Abend.
DSPS: Chronotyp vs. Störung – Wann wird die Nachteule zum Problem?
Das Delayed Sleep Phase Syndrome (DSPS) wird oft mit dem gewöhnlichen „Nachteulen“-Chronotyp verwechselt, doch es handelt sich um eine diagnostizierbare Störung des zirkadianen Rhythmus. Während eine Nachteule (oder Abendtyp) einfach eine natürliche Präferenz hat, später ins Bett zu gehen und später aufzuwachen, ist DSPS durch eine hartnäckige, physiologische Verschiebung gekennzeichnet. Bei DSPS ist die innere Uhr des Betroffenen um mindestens zwei Stunden – oft sogar deutlich mehr – verzögert im Vergleich zu gesellschaftlichen Normen (z. B. 23:00 bis 7:00 Uhr). Dies führt dazu, dass die Patienten nicht in der Lage sind, zu einer konventionellen Zeit einzuschlafen, selbst wenn sie es versuchen. Im Gegensatz zu Schlaflosigkeit (Insomnie), wo die Schlafmenge reduziert ist, ist die Gesamtschlafdauer bei DSPS oft normal, solange der Betroffene seinem inneren Rhythmus folgen kann (z. B. von 3:00 bis 11:00 Uhr). Die Hauptproblematik entsteht, wenn soziale oder berufliche Verpflichtungen (Schule, Arbeit) einen frühen Start erfordern. Die Folge sind chronischer Schlafmangel, Tagesmüdigkeit, Leistungseinbußen und das Risiko der Entwicklung von psychischen Begleiterkrankungen, da der Körper ständig gezwungen wird, gegen seine innere Biologie zu arbeiten. Dies macht DSPS zu einem medizinischen Problem, das über eine einfache Präferenz hinausgeht.
Diagnose und Behandlung: Wie die innere Uhr beim DSPS neu justiert wird
Die Diagnose von DSPS erfordert typischerweise die Verwendung von objektiven Messmethoden. Neben detaillierten Schlafprotokollen, die über Wochen geführt werden, um das Muster der verzögerten Schlafenszeiten festzustellen, spielt die Aktigraphie eine zentrale Rolle. Aktigraphen sind uhrähnliche Geräte, die Bewegungs- und Ruhezyklen über längere Zeiträume aufzeichnen und somit die objektive Bestimmung der tatsächlichen Schlaf-Wach-Zeiten ermöglichen. Die Behandlung von DSPS zielt darauf ab, den verschobenen zirkadianen Rhythmus schrittweise an die gewünschten gesellschaftlichen Zeiten anzunähern. Der wichtigste Ansatz ist die Chronotherapie, die aus zwei Komponenten besteht: Lichttherapie und zeitlich abgestimmtes Melatonin. Die Lichttherapie wird idealerweise am frühen Morgen eingesetzt, um das Signal „Tag“ an die innere Uhr zu senden und sie nach vorne zu verschieben. Gleichzeitig wird am frühen Abend eine niedrig dosierte Melatoningabe genutzt. Melatonin, das Hormon der Dunkelheit, fungiert als „Zeitgeber“ und verstärkt das Signal, das zur gewünschten Schlafenszeit hinleitet. In manchen Fällen wird auch die schrittweise Verschiebung der Schlafenszeiten selbst angewendet (Advance- oder Delay-Technik), um den Rhythmus langsam umzusteuern.
