Schlaf-Glossar: Epworth Sleepiness Scale
Kurzdefinition: Was ist Epworth Sleepiness Scale?
Die Epworth Sleepiness Scale (ESS) ist ein kurzer, selbsteingeschätzter Fragebogen, der zur Messung der Tagesschläfrigkeit bei Erwachsenen dient. Der Test besteht aus acht Fragen, bei denen die Wahrscheinlichkeit des Einnickens in verschiedenen Situationen auf einer vierstufigen Skala (0–3) bewertet wird. Der Gesamtscore (0–24) hilft medizinischem Fachpersonal, den Grad der Schläfrigkeit zu bestimmen und ist ein wichtiges Hilfsmittel bei der Diagnose von Schlafstörungen. Die ESS wird häufig vor einer Schlafuntersuchung eingesetzt, ist aber kein eigenständiges Diagnoseinstrument.
3 Takeaways für dich: Epworth Sleepiness Scale
- Misst die subjektive Tagesschläfrigkeit bei Erwachsenen.
- Ist ein kurzer Fragebogen mit 8 Fragen (Score 0–24).
- Dient als wichtiges Hilfsmittel zur Erkennung übermäßiger Schläfrigkeit (Score > 10).
Die ESS: Subjektives Maß für die Tagesschläfrigkeit und ihre Tücken
Die Epworth Sleepiness Scale (ESS) ist primär als ein schnelles und einfaches Screening-Instrument konzipiert, das die subjektiv empfundene Tagesschläfrigkeit eines Erwachsenen misst. Im Gegensatz zu objektiven Messungen, wie der Multiplen Schlaf-Latenz-Test (MSLT), basiert die ESS vollständig auf der Selbsteinschätzung des Patienten. Der Fragebogen erfasst die Wahrscheinlichkeit, in acht verschiedenen, alltäglichen Situationen einzunicken (z. B. beim Lesen, Fernsehen oder als Beifahrer im Auto) und vergibt dafür Punkte zwischen 0 und 3. Der Gesamtscore reicht von 0 bis 24, wobei ein Wert von 10 oder höher in der Regel als Indikator für übermäßige Tagesschläfrigkeit gilt und eine weitere medizinische Abklärung nahelegt.
Die Stärke der ESS liegt in ihrer Praktikabilität und breiten Akzeptanz in der Schlafmedizin. Sie wird routinemäßig eingesetzt, um Patienten zu identifizieren, die möglicherweise an einer Schlafstörung wie obstruktiver Schlafapnoe (OSA) oder Narkolepsie leiden. Allerdings ist es wichtig zu verstehen, dass die ESS nur die subjektive Wahrnehmung abbildet. Patienten mit chronischer Schlafapnoe können sich beispielsweise adaptieren und ihre Schläfrigkeit unterschätzen, was zu einem falsch-niedrigen Score führen kann. Umgekehrt können andere Faktoren wie Depressionen oder chronische Schmerzen die gefühlte Müdigkeit erhöhen. Daher wird die ESS stets als Teil eines umfassenden Diagnoseprozesses verwendet und ersetzt keine objektiven Messmethoden.
ESS-Scores und ihre klinische Relevanz: Wann eine Diagnose notwendig wird
Die Interpretation des ESS-Scores ist für die klinische Entscheidungsfindung entscheidend. Ein Score im Bereich von 0 bis 9 wird im Allgemeinen als normal und unbedenklich betrachtet. Scores zwischen 10 und 15 deuten auf eine leichte bis mittlere Tagesschläfrigkeit hin, die oft schon therapeutische Maßnahmen oder zumindest eine detailliertere Anamnese erfordert. Werte von 16 bis 24 signalisieren eine schwere Tagesschläfrigkeit. Insbesondere diese hohen Scores sind klinisch hochrelevant und weisen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auf eine behandlungsbedürftige Schlafstörung hin, darunter Narkolepsie oder eine schwerwiegende Schlafapnoe.
In der Diagnostik dient der hohe ESS-Score als Signal, die Notwendigkeit einer Polysomnographie (Schlaflaboruntersuchung) oder eines ambulanten Schlafapnoe-Screenings zu prüfen. Für die Krankenkassen und die medizinische Leitlinien ist der ESS-Score oft ein wichtiges Kriterium, um festzustellen, ob ein Patient für bestimmte Behandlungen – beispielsweise die CPAP-Therapie bei Schlafapnoe – infrage kommt. Ein hoher Score rechtfertigt die intensivierte Diagnostik, während ein sehr niedriger Score trotz anderer Symptome (wie starkem Schnarchen) darauf hinweisen könnte, dass die Ursache der Müdigkeit außerhalb der klassischen schlafbezogenen Atmungsstörungen liegt.
