Schlaf-Glossar: Früherwachen
Kurzdefinition: Was ist Früherwachen?
Früherwachen beschreibt eine deutliche Vorverlegung des Aufwachzeitpunktes am Morgen, verbunden mit der Unmöglichkeit, wieder einschlafen zu können. Dieses Nicht-Wieder-Einschlafen-Können wird oft als unangenehm oder quälend empfunden. Das Symptom kann isoliert auftreten oder im Rahmen einer psychiatrischen Symptomatik, beispielsweise bei einer Depression.
3 Takeaways für dich: Früherwachen
- Aufwachen vor der gewünschten Zeit und nicht wieder einschlafen können.
- Oft ein Symptom einer Depression; sollte ärztlich abgeklärt werden.
- Steh auf und gehe einer ruhigen Tätigkeit nach, wenn du nicht wieder einschlafen kannst.
Früherwachen als Leitsymptom der Insomnie und Depression
Die Manifestation des Früherwachens im klinischen Kontext
Früherwachen ist ein zentrales Phänomen der Schlafstörungen, das in der Klassifikation der Insomnien als Durchschlafstörung im letzten Drittel der Nacht gilt. Es unterscheidet sich vom initialen Einschlafproblem und ist oft quälender, da die Betroffenen in den frühen Morgenstunden, beispielsweise zwischen 3 und 5 Uhr, aufwachen und trotz großer Müdigkeit nicht wieder in den Schlaf finden können. Dieses Symptom ist klinisch besonders relevant, da es als eines der charakteristischen Anzeichen einer depressiven Störung, insbesondere der klassischen oder melancholischen Depression, gilt. Bei Depressionen wird angenommen, dass die Störung des zirkadianen Rhythmus dazu führt, dass die REM-Phasen früher in der Nacht auftreten und die Tiefschlafphasen reduziert sind, was das frühe und unfreiwillige Erwachen begünstigt. Die Unfähigkeit, danach wieder einzuschlafen, führt zu einer signifikanten Beeinträchtigung der täglichen Funktion und einer Zunahme der Tagesmüdigkeit, was den Leidensdruck erhöht.
Bewältigungsstrategien: Was tun gegen das unfreiwillige Früherwachen?
Die Bedeutung der Stimuluskontrolle und Schlafhygiene
Die Behandlung des Früherwachens stützt sich stark auf verhaltenstherapeutische Ansätze, insbesondere die Anwendung der Stimuluskontrolle. Da das Bett im Wachzustand schnell mit Frustration und negativen Gedanken assoziiert wird, lautet die zentrale Empfehlung: Steh auf. Wer länger als 20 Minuten wach liegt und nicht wieder einschlafen kann, sollte das Schlafzimmer verlassen und einer ruhigen, entspannenden Tätigkeit nachgehen. Wichtig ist hierbei, sehr gedämpftes Licht zu nutzen, um die Freisetzung des schlaffördernden Hormons Melatonin nicht zu unterdrücken und den zirkadianen Rhythmus nicht unnötig zu verschieben. Eine strenge Schlafhygiene, einschließlich des Verzichts auf Koffein und Alkohol am späten Nachmittag und Abend, sowie die Einhaltung fester Aufstehzeiten (auch am Wochenende), sind essenziell, um den homöostatischen Schlafdruck am Abend zu maximieren. Bei Verdacht auf eine zugrundeliegende psychische Erkrankung, wie eine Depression, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung und Behandlung zwingend erforderlich, da das Früherwachen hier nur ein Symptom einer umfassenderen Störung ist.
Neurobiologische Mechanismen: Die Rolle von Stress und Adenosin
Wie ein überaktives Erregungssystem das Wieder-Einschlafen verhindert
Neurobiologisch betrachtet, ist das Früherwachen oft mit einer erhöhten Aktivität des sympathischen Nervensystems verbunden, dem sogenannten Erregungssystem. Anstatt in den entspannten Zustand des Parasympathikus zurückzufallen, erlebt der Körper eine stressbedingte Aktivierung. Dies kann durch Sorgen, Angstzustände oder eine allgemeine Übererregung des zentralen Nervensystems ausgelöst werden. Darüber hinaus spielen Neurotransmitter wie Cortisol, das in den frühen Morgenstunden natürlicherweise ansteigt, eine Rolle. Bei Menschen mit chronischem Früherwachen kann dieser Anstieg verstärkt oder zeitlich vorverlagert sein. Auch das Adenosin, der Stoff, der den Schlafdruck aufbaut, ist in den letzten Stunden des Schlafs bereits auf einem niedrigeren Niveau. Wenn dann eine leichte Störung (Licht, Geräusch oder ein negativer Gedanke) auftritt, reicht der verbleibende Schlafdruck oft nicht aus, um das Wieder-Einschlafen zu gewährleisten, wodurch eine Spirale aus Wachheit und Frustration entsteht, die den Schlafzyklus nachhaltig stört.
