Schlaf-Glossar: Katastrophisieren
Kurzdefinition: Was ist Katastrophisieren?
Katastrophisieren ist eine kognitive Verzerrung, bei der zukünftige Ereignisse oder aktuelle Probleme übertrieben negativ bewertet und als Worst-Case-Szenarien angesehen werden. Die Betroffenen neigen dazu, die schlimmsten möglichen Ergebnisse anzunehmen und ihre Fähigkeit, damit umzugehen, zu unterschätzen. Diese Denkweise ist ein häufiger Bestandteil von Angststörungen und Schlafproblemen, da sie Stress und Hyperarousal fördert.
3 Takeaways für dich: Katastrophisieren
- Kognitive Verzerrung, die Probleme übertrieben negativ bewertet.
- Fördert Stress und Hyperarousal, was den Schlaf stört.
- Kann durch Bewerten und aktives Hinterfragen der Annahmen reduziert werden.
Katastrophisieren: Die kognitive Falle des Worst-Case-Szenarios
Katastrophisieren beschreibt eine spezifische Form der kognitiven Verzerrung, bei der eine Person aktuelle Probleme, bevorstehende Ereignisse oder deren mögliche Folgen in einer übertrieben negativen, oft extremen Weise bewertet. Anstatt eine rationale Abwägung der Wahrscheinlichkeiten vorzunehmen, neigen Betroffene dazu, sofort das Worst-Case-Szenario anzunehmen und die Situation als unkontrollierbar oder unerträglich darzustellen. Im Kern beinhaltet dieser Denkfehler eine dramatische Überschätzung der Bedrohlichkeit eines Problems und eine gleichzeitige Unterschätzung der eigenen Fähigkeit, mit den Konsequenzen umzugehen.
In der Schlafmedizin ist dieses Denkmuster besonders relevant, da es ein zentraler Verstärker für Insomnie und Angststörungen ist. Wenn ein Betroffener abends im Bett liegt und nicht einschlafen kann, beginnt das Katastrophisieren oft mit Gedanken wie: „Wenn ich heute Nacht nicht schlafe, werde ich morgen bei der Arbeit versagen, meine Karriere ist ruiniert und meine Gesundheit wird dauerhaft leiden.“ Diese Kette von überzogenen, negativen Annahmen führt zu einer massiven Ausschüttung von Stresshormonen und einem Zustand des Hyperarousals (Übererregung), der jegliche Entspannung und damit das Einschlafen blockiert. Das Katastrophisieren schafft somit einen Teufelskreis: Die Sorge um den Schlaf verhindert den Schlaf, was wiederum die Sorge und die katastrophisierenden Gedanken für die nächste Nacht verstärkt.
Die Rolle des Katastrophisierens im Teufelskreis der chronischen Insomnie
Als kognitives Denkmuster ist das Katastrophisieren nicht nur ein Symptom, sondern ein aktiver Motor, der akute Schlafstörungen in chronische Insomnie überführt. Bei Menschen mit chronischer Schlaflosigkeit wird die Nachtruhe selbst zu einer Quelle der Angst und des Stresses. Sie katastrophisieren nicht nur die Konsequenzen des Schlafmangels, sondern auch den Akt des Zubettgegehens. Jeder Blick auf die Uhr wird zu einem Beweis für das „Scheitern“ und löst neue, negative Gedankenschleifen aus.
Die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) zielt deshalb explizit darauf ab, dieses Denkmuster zu durchbrechen. Ein zentraler Ansatzpunkt ist das aktive Infragestellen der katastrophalen Annahmen. Anstatt dem Gedanken „Ich werde morgen versagen“ Glauben zu schenken, wird der Patient ermutigt, sich zu fragen: „Wie wahrscheinlich ist es wirklich, dass ich nach einer schlechten Nacht meine Karriere ruiniere?“ oder „Welche schlechten Nächte habe ich in der Vergangenheit überstanden und welche Bewältigungsstrategien habe ich angewendet?“ Durch das systematische Ersetzen übertriebener Negativität durch realistischere, ausgewogenere Bewertungen lässt sich das nächtliche Hyperarousal reduzieren, wodurch der Schlafdruck effektiver wirken kann und der Weg zurück zu einem entspannteren Verhältnis zum Schlaf geebnet wird.
