Schlaf-Glossar: Parasomnien

Schlaf-Glossar: Parasomnien

Kurzdefinition: Was ist Parasomnien?

Parasomnien sind komplexe Verhaltensauffälligkeiten, Bewegungen, Emotionen oder Aktivierungen des vegetativen Nervensystems, die während des Schlaf-Wach-Übergangs oder während des Schlafes auftreten. Sie werden in Non-Rapid Eye Movement (NREM)-Parasomnien und Rapid Eye Movement (REM)-Parasomnien unterteilt. Während sie bei Kindern häufiger sind, können sie bei Erwachsenen in manchen Fällen schwerwiegend sein und erfordern dann oft eine Diagnose mittels Video-Polysomnographie.

3 Takeaways für dich: Parasomnien

  • Unerwünschte Verhaltensweisen oder Bewegungen während des Schlafens.
  • Unterteilung in Non-REM- (z. B. Schlafwandeln) und REM-Parasomnien (z. B. Alpträume).
  • Häufig ausgelöst oder verschlimmert durch Schlafmangel, Stress oder unregelmäßige Schlafenszeiten.

Die Klassifizierung von Parasomnien: NREM vs. REM-assoziiert

Parasomnien sind eine heterogene Gruppe von Schlafstörungen, die durch ungewollte körperliche Ereignisse oder Verhaltensweisen während des Schlafens gekennzeichnet sind. Für die Diagnose und Behandlung ist die Klassifizierung in die beiden Hauptgruppen, Non-Rapid Eye Movement (NREM)-Parasomnien und Rapid Eye Movement (REM)-Parasomnien, entscheidend. NREM-Parasomnien treten typischerweise während der Tiefschlafphasen (N3) auf, oft in der ersten Hälfte der Nacht. Zu dieser Gruppe gehören das berühmte Schlafwandeln (Somnambulismus), der Nachtschreck (Pavor nocturnus) und das verwirrte Erwachen (Confusional Arousals). Diese Zustände sind Ausdruck einer unvollständigen Erweckung, bei der das Gehirn teilweise wach ist, während der Körper in einem schlafähnlichen Zustand verbleibt. Betroffene zeigen oft keine Erinnerung an die Ereignisse, was typisch für Störungen ist, die aus dem Tiefschlaf heraus entstehen.

Im Gegensatz dazu entstehen REM-Parasomnien während der Phase des Traumschlafs (REM-Schlaf), die normalerweise durch eine motorische Lähmung (Atonie) gekennzeichnet ist. Die bekannteste Störung in dieser Kategorie ist die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD), bei der die Atonie fehlt und Betroffene ihre Träume körperlich ausleben – sie schlagen um sich, treten oder schreien. Auch wiederkehrende Alpträume (Nightmares) fallen in diese Kategorie. Die Unterscheidung ist klinisch wichtig, da NREM-Parasomnien oft durch Schlafmangel und Stress ausgelöst werden und eher bei Kindern vorkommen, während REM-Parasomnien, insbesondere RBD, häufig mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson assoziiert sind und primär Erwachsene betreffen.

Auslöser und Behandlung: Was Parasomnien begünstigt und wie man sie kontrolliert

Obwohl Parasomnien komplexe neurologische Mechanismen zugrunde liegen, werden sie fast immer durch spezifische äußere Faktoren getriggert oder verschlimmert. Der prominenteste Auslöser für fast alle Formen der Parasomnie ist Schlafmangel (Schlafdeprivation) und ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus. Auch chronischer Stress, Alkohol, bestimmte Medikamente (insbesondere jene, die das zentrale Nervensystem beeinflussen) sowie zugrunde liegende Schlafstörungen wie obstruktive Schlafapnoe können die Häufigkeit und Intensität von Parasomnien dramatisch erhöhen. Die Schlafapnoe fragmentiert den Schlaf und kann Erregungszustände provozieren, aus denen NREM-Ereignisse entstehen können.

Die Behandlung von Parasomnien folgt in der Regel einem gestuften Ansatz. Der wichtigste Schritt ist die Schlafhygiene: Sicherstellung von ausreichend langem und regelmäßigem Schlaf sowie die Reduktion von Stress. Für Non-REM-Parasomnien, die oft mit einem Verletzungsrisiko verbunden sind (z. B. Schlafwandeln), werden Sicherheitsprotokolle empfohlen (abschließen von Türen und Fenstern). Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist die medikamentöse Therapie, oft mit Clonazepam, der Goldstandard. Darüber hinaus sollte eine eventuell vorliegende Schlafapnoe konsequent mit CPAP-Therapie behandelt werden, da dies die Schlafstruktur stabilisiert und die Auslöser reduziert. In vielen Fällen führt bereits die Beseitigung der auslösenden Faktoren zu einer signifikanten Besserung oder dem vollständigen Verschwinden der Parasomnien.

Häufig gestellte Fragen (FAQs) zu Parasomnien

Was genau sind Parasomnien?

Parasomnien sind unerwünschte, komplexe Verhaltensauffälligkeiten, Bewegungen oder Emotionen, die während des Schlafens oder beim Übergang zwischen Schlaf und Wachheit auftreten.

Welche Arten von Parasomnien gibt es?

Sie werden hauptsächlich in Non-REM-Parasomnien (z. B. Schlafwandeln, Nachtschreck) und REM-Parasomnien (z. B. Alpträume, REM-Schlaf-Verhaltensstörung) unterteilt.

Was sind die häufigsten Symptome einer Parasomnie?

Symptome können Schlafwandeln, Nachtschrecken, lebhafte, furchteinflößende Träume (Alpträume), das Ausleben von Träumen mit Bewegungen, oder unvollständige Orientierung beim Aufwachen sein.

Was kann Parasomnien auslösen oder verschlimmern?

Häufige Auslöser sind Schlafmangel, Stress, unregelmäßige Schlafenszeiten, Fieber, bestimmte Medikamente, Alkohol oder zugrunde liegende Schlafstörungen wie Schlafapnoe.

Wie werden Parasomnien diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt in der Regel klinisch und wird oft durch eine Schlaflaboruntersuchung mittels Video-Polysomnographie gesichert, um andere Ursachen auszuschließen.

Sind Parasomnien bei Erwachsenen oder Kindern häufiger?

Non-REM-Parasomnien (wie Schlafwandeln und Nachtschreck) sind in der Kindheit häufiger (bis zu 20 %) und verschwinden oft mit dem Alter, können aber auch bei Erwachsenen auftreten.

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