Schlaf-Glossar: Schlafmythen
Kurzdefinition: Was sind Schlafmythen?
Schlafmythen sind weit verbreitete, aber wissenschaftlich nicht belegte oder falsche Annahmen über Schlaf, seine Prozesse und optimale Gewohnheiten. Diese Irrtümer können von der benötigten Schlafdauer bis hin zu Verhaltensweisen bei Schlaflosigkeit reichen. Sie führen oft zu unnötigem Stress oder falschen Maßnahmen, die die Schlafqualität negativ beeinflussen können.
3 Takeaways für dich: Schlafmythen
- Verlorener Schlaf kann am Wochenende nicht vollständig nachgeholt werden; unregelmäßiges Schlafen stört den Rhythmus.
- Für die meisten Erwachsenen ist acht Stunden zusammenhängender Schlaf (monophasisch) optimal.
- Alkohol hilft zwar beim Einschlafen, stört aber den REM- und Tiefschlaf massiv.
Die drei größten Schlafmythen: Warum sie deiner Erholung schaden
Schlafmythen sind hartnäckige, aber wissenschaftlich widerlegte Annahmen über den Schlaf, die sich tief in der Gesellschaft verankert haben. Drei dieser Irrtümer sind besonders schädlich für die Schlafhygiene und die mentale Gesundheit.
Der erste große Mythos ist die Annahme, dass verlorener Schlaf am Wochenende „nachgeholt“ werden kann. Zwar kann eine längere Schlafperiode am Samstagmorgen die akute Schlaflast (Schlafdruck) kurzfristig reduzieren, doch die chronischen Defizite, die sich über die Woche angesammelt haben, lassen sich nicht einfach „wegslafen“. Viel wichtiger: Das unregelmäßige Schlafen am Wochenende stört den zirkadianen Rhythmus massiv. Dieser innere 24-Stunden-Takt gerät durcheinander, was den sogenannten „Social Jetlag“ auslöst. Dies führt dazu, dass es am Sonntagabend schwerer fällt, rechtzeitig einzuschlafen, und der Start in die neue Arbeitswoche wird durch anhaltende Müdigkeit erschwert.
Der zweite gängige Mythos betrifft die Dauer des Schlafs im Alter. Viele glauben, dass ältere Menschen von Natur aus weniger Schlaf benötigen. Das ist falsch. Die physiologisch notwendige Schlafdauer von 7 bis 9 Stunden bleibt auch im Alter weitgehend konstant. Was sich ändert, ist die sogenannte Schlafarchitektur: Die Schlafphasen werden fragmentierter, die Zeit im tiefen, erholsamen Tiefschlaf nimmt ab, und es kommt zu häufigeren nächtlichen Wachphasen. Die Gesamtmenge des benötigten Schlafs ändert sich jedoch nicht; die Qualität nimmt lediglich ab. Ältere Menschen, die weniger schlafen, leiden oft unter der gleichen chronischen Schlaflosigkeit wie jüngere.
Der dritte und vielleicht gefährlichste Mythos ist der Glaube, Alkohol helfe beim Einschlafen. Alkohol wirkt zwar sedierend und kann das Einschlafen zunächst beschleunigen. Allerdings fragmentiert er den Schlaf massiv, sobald er im Körper abgebaut wird. Insbesondere der REM-Schlaf (wichtig für die Emotionsverarbeitung und das Gedächtnis) und der Tiefschlaf (wichtig für die körperliche Erholung) werden unterdrückt oder gestört. Dies führt dazu, dass der Schlaf unruhig und nicht erholsam wird, selbst wenn man die gefühlte „Schlafzeit“ erreicht hat. Alkoholkonsum kurz vor dem Zubettgehen ist daher ein starker Negativfaktor für die Schlafqualität.
