Schlaf-Glossar: Winterdepression (SAD)
Kurzdefinition: Was ist Winterdepression (SAD)?
Die Winterdepression, auch saisonal abhängige Depression (SAD) genannt, ist eine Form der Depression, die typischerweise in den Herbst- und Wintermonaten beginnt und im Frühjahr wieder verschwindet. Sie wird oft durch den Mangel an Sonnenlicht verursacht und äußert sich unter anderem in gedrückter Stimmung, Antriebslosigkeit, erhöhtem Schlafbedürfnis und Heißhunger auf Kohlenhydrate. Lichttherapie ist eine gängige und effektive Behandlungsmethode.
3 Takeaways für dich: Winterdepression (SAD)
- SAD ist eine Depression, die saisonal auftritt (Herbst/Winter) und im Frühjahr abklingt.
- Hauptsymptome sind Müdigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis und Heißhunger auf Kohlenhydrate.
- Lichtmangel ist die Hauptursache; Lichttherapie ist die effektivste Behandlung.
Die Rolle des Melatonin- und Serotonin-Haushalts bei SAD
Die Winterdepression (SAD) ist eng mit einer Störung des körpereigenen circadianen Rhythmus verbunden, verursacht durch den saisonalen Mangel an natürlichem Licht. Da die Tage kürzer werden und die Intensität des Sonnenlichts abnimmt, gerät die Produktion zweier wichtiger Neurotransmitter und Hormone aus dem Gleichgewicht: Melatonin und Serotonin. Serotonin, oft als „Glückshormon“ bezeichnet, wird mit Stimmung und Wohlbefinden in Verbindung gebracht. Die Synthese von Serotonin wird durch helles Licht stimuliert. Im Winter führt der Lichtmangel zu einem Absinken des Serotoninspiegels, was die gedrückte Stimmung und die Antriebslosigkeit (Apathie) bei Betroffenen verstärkt. Im Gegensatz dazu wird das „Schlafhormon“ Melatonin bei Dunkelheit produziert und signalisiert dem Körper, müde zu werden. Bei Menschen mit SAD kann die verzögerte oder übermäßige Freisetzung von Melatonin im Winter zu einem anhaltend erhöhten Schlafbedürfnis und starker Tagesmüdigkeit führen. Die Störung dieser biochemischen Achse ist der zentrale Mechanismus, der die saisonalen Symptome wie Hypersomnie (erhöhtes Schlafbedürfnis) und Heißhunger auf Kohlenhydrate erklärt, da der Körper versucht, das gestörte Gleichgewicht auszugleichen.
Lichttherapie als Goldstandard: Wie helles Licht den zirkadianen Rhythmus zurücksetzt
Die effektivste und gängigste Behandlungsmethode für die Winterdepression ist die Lichttherapie. Dieses Verfahren zielt darauf ab, den Mangel an natürlichem Sonnenlicht zu kompensieren, der die Störung des Serotonin- und Melatonin-Haushalts verursacht. Patienten sitzen dabei täglich für eine bestimmte Zeit (meist 30 Minuten am Morgen) vor einer speziellen Lichttherapie-Lampe, die sehr helles Licht (oft 10.000 Lux) abstrahlt, ohne jedoch schädliche UV-Strahlen zu enthalten. Dieses helle Licht, das kurz nach dem Aufwachen angewendet wird, wirkt direkt auf die Netzhaut und hemmt die Freisetzung von Melatonin, was hilft, den circadianen Rhythmus auf die korrekte Tageszeit zurückzusetzen und die Wachheit zu fördern. Gleichzeitig wird die Serotoninproduktion angeregt, wodurch sich die Stimmung bessert und die für SAD typische starke Müdigkeit reduziert wird. Im Prinzip simuliert die Lichttherapie einen längeren und helleren Sommertag, wodurch der körpereigene Taktgeber neu justiert wird und die saisonalen depressiven Symptome oft innerhalb weniger Wochen signifikant gelindert werden können. Es ist eine nicht-invasive Methode mit wenigen Nebenwirkungen, die als Basis für die Therapie der Winterdepression gilt.
